Anfang 2020 kam der Förderverein Schleiferei Wipperkotten e.V. auf uns zu, um das marode Wasserrad des historischen Schleifkottens in Solingen zu erneuern. Als Handwerksbetrieb mit über 30 Jahren Erfahrung in Zimmererarbeiten und Denkmalpflege im Bergischen Land war das genau unser Metier.
Konstruktionspläne waren bereits vorhanden, sodass wir nach dem Vorbild des vorherigen Wasserrades planen und den Abbund vorbereiten konnten. Bei der Materialauswahl war eines entscheidend: Das Rad würde dauerhaft Wasser und Feuchtigkeit ausgesetzt sein. Deshalb setzten wir auf frischen Einschlag aus Eiche – ein bewährter Naturbaustoff, der sich unter feuchten Bedingungen hervorragend bewährt.
Für die Antriebswelle begann eine aufwendige Suche nach einem kerzengerade gewachsenen Eichenstamm mit ausreichendem Durchmesser. Massives, handverlesenes Holz dieser Qualität zu finden, erfordert Geduld und gute Kontakte – beides bringen wir aus über drei Jahrzehnten ökologischem Bauen im Bergischen Land mit.
Im Juni 2021 war das Material beisammen und die Arbeit konnte beginnen. Den Auftakt bildete unser befreundetes Sägewerk, wo wir die Eichenstämme mit dem Hochdruckreiniger von Rinde und Schmutz befreiten. Anschließend gingen die Stämme ins Sägegatter und von dort in unsere Werkstatt in Burscheid.
Die Rundbogensegmente ließen wir im CNC-Verfahren fertigen, um die nötige Präzision für die Krümmung zu erreichen. Die übrigen Bauteile des Wasserrades fertigten wir von Hand an – mit traditionellen Zimmererverbindungen wie Versätzen und diversen Blattungen an eng beieinanderliegenden Knotenpunkten. Diese Kombination aus moderner Technik und traditionellem Handwerk ist typisch für unsere Arbeitsweise: Wo Präzision gefragt ist, nutzen wir zeitgemäße Verfahren. Wo handwerkliches Können den Unterschied macht, arbeiten wir so, wie es Zimmerleute seit Jahrhunderten tun.
Der Wipperkotten ist eines der letzten erhaltenen Schleifkotten an der Wupper in Solingen und steht unter Denkmalschutz. Mit dem neuen Wasserrad darf dieses Stück Industriegeschichte des Bergischen Landes weiterleben. Für uns war es ein besonderes Projekt – eine Verbindung aus denkmalgerechtem Bauen, anspruchsvollen Zimmererarbeiten und der Arbeit mit massiver Eiche als nachhaltigem Naturbaustoff.